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KSK |
Rettung in höchster Not: Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr
Sie kommen überraschend und handeln mit der Präzision eines Uhrwerks. Ihre Aufgabe ist es, tief im gegnerischen Gebiet zu operieren oder irgendwo sonst auf der Welt deutsche Staatsbürger aus Konfliktgebieten zu evakuieren.
Sie sind eine Elitetruppe des Heeres und gehören zu den Krisenreaktionskräften. Kommando Spezialkräfte lautet ihre genaue Bezeichnung, im militärischen Sprachgebrauch kurz KSK genannt. Ähnlichkeiten mit der GSG 9, der Spezialtruppe des Bundesgrenzschutzes, drängen sich auf. Unvergessen ist deren spektakulärer Einsatz zur Geiselbefreiung auf dem Flughafen von Mogadischu. KSK und GSG 9: eigentlich zwei vergleichbare Spezialverbände; dennoch der eine untersteht dem Bundesministerium der Verteidigung, der andere dem Bundesminister des Inneren. Keine Konkurrenz sondern eine Ergänzung sieht der Inspekteur des Bundesgrenzschutzes in den militärischen Spezialkräften.
Fredi Hitz, Inspekteur Bundesgrenzschutz: "Das KSK wird vorgehalten für Befreiungsaktionen, für Evakuierungen im Ausland, wenn Menschen akut gefährdet sind, und zwar im Zusammenhang mit Kriegshandlungen, mit Bürgerkriegshandlungen oder durch Intervention in einem Staat der dadurch nicht mehr handlungsfähig geworden ist. Die GSG 9 dagegen als polizeilicher Spezialverband bekämpft Schwerstkriminalität im Inland und im Ausland."
Nicht eingesetzt werden konnte die GSG 9, als es darum ging, deutsche Staatsbürger 1994 aus ruandischem Bürgerkriegsgebiet zu evakuieren. Hier mußte fremde militärische Hilfe in Anspruch genommen werden. Belgische Fallschirmjäger holten die Deutschen heraus. Ein Schlüsselereignis für den Aufbau des KSK?
Volker Rühe, CDU, Bundesverteidigungsminister: "Manchen ist damals sehr klar geworden wie gering unsere Hilfsmögichkeiten waren. Aber unabhängig davon, konzeptionell im Weißbuch sind die Krisenreaktionskräfte, Kommando Luftbewegliche Kräfte, KSK alles systematisch angelegt gewesen wie alles was wir gemacht haben in der Reform der Bundeswehr lange nachzulesen ist und sehr systemmatische angelegt worden ist."
Seit dem 1. April 1996 wird das Kommando in Calw aufgestellt. Von derzeit ca. 30 einsatzbereiten Kommando-Soldaten soll die Truppe in den nächsten vier Jahren auf rund 1000 Mann anwachsen. Fast ausschließlich Berufs- und Zeitsoldaten, vom Feldwebel an aufwärts. Auch Wehrpflichtige sind dabei. Sie haben rein unterstützende Tätigkeiten, z.B. im Stabsdienst oder als Kraftfahrer. Geiselbefreiung ist nur eine Aufgabe der Spezialkräfte. Das Einsatzspektrum des KSK ist weitreichender. Dazu gehören in Zukunft Aufgaben wie das Gewinnen von Informationen in Krisen- und Konfliktgebieten und Kampfeinsätze im gegnerischen Gebiet mit der Zerstörung wichtiger Objekte. Vergleichbare Aufgaben werden durch amerikanische und britische Spezialkräfte bereits seit Jahrzehnten mit Erfolg wahrgenommen. Eine gute Chance für das KSK, diese Erfahrungen zu nutzen.
Generalleutnant Helmut Willmann, Inspekteur Heer: "Natürlich helfen uns befreundete Nationen die über Spezialeinheiten verfügen. Aber ich hatte vorher schon gesagt, diese Nationen bitten uns ausdrücklich darüber nicht öffentlich zu sprechen, welche Nationen es sind, in welchem Umfang sie uns helfen, und deshalb werde ich das auch nicht tun. Aber es ist klar wenn wir eine Truppe aufbauen mit einem neuen Know How das wir nicht haben brauche wir Hilfe und die haben wir auch bekommen und bekommen sie auch weiterhin."
Unter dem Special Operation Command ist in den USA das stärkste westliche Kontingent an Spezialtruppen zusammengefasst. Allein das Heer kann eine Stärke von ca. 25.000 Kommandosoldaten vorweisen. Darunter Verbände wie die Rangers, die legendären Green Berets und die Night Stalkers, eine Spezialeinheit für den Nachteinsatz. Die Soldaten der Spezialkräfte werden extrem hohen Belastungen ausgesetzt. Entsprechend sorgfältig ist deshalb auch die Auswahl.
Generalleutnant Helmut Willmann, Inspekteur Heer: "Ich hab mal das Stichwort vom stillen Profi ausgegeben. Ich sag mal er muß intelligent sein, robust und teamfähig. Er muß entschlossen sein und besonnen sein und diese Charaktereigenschaften herauszukristallisieren dem dient ein 14 tägiges Auswahlverfahren wo nach strengsten Kriterien die Leute ausgesucht werden. Ich hab also gesagt die Qualität geht vor Schnelligkeit im Aufbau."
Höhepunkt der Auswahlprozendur ist die 90-Stunden-Übung, die es in sich hat, wie ein bereits ausgebildeter Kommandosoldat berichtet.
Kommandosoldat: "Diese 90 Stunden Übung an sich ist eine relativ fordernde Sache bei der viele Faktoren ineinander greifen: Schlafentzug, Nahrungsentzug, Kälte und das kulminiert natürlich gegen Ende der Übung. Man kann jetzt nicht sagen das war am härtesten oder das. Die Übung im Ganzen." Wer hier nicht schlapp macht hat beste Chancen, die drei Jahre dauernde Ausbildung absolvieren zu dürfen. Die ersten einsatzbereiten Spezialkräfte demonstrierten in der Heeresübung Schneller Adler" vor zwei Wochen ihren Ausbildungsstand.
"Befreien und Evakuieren von deutschen Staatsbürgern" lautete der Auftrag des KSK. Luftbewegliche Kräfte mit Fallschirmjägerverbänden und Teilen der Luftwaffe waren eingesetzt, um die Voraussetzung für das Eingreifen des KSK zu schaffen. Für solche Evakuierungsoperationen ist ein enges Zusammenwirken des Kommandos mit anderen Truppenteilen gefordert, meist im Rahmen einer sogenannten TASK FORCE. Das Szenarie wurde in einen fiktiven ausländischen Staat verlegt, der nicht in der Lage ist, deutschen Staatsbürgern Schutz zu gewähren. Die Situation: Bewaffnete Separatisten hielten dort deutsche Geiseln gefangen. Ein klassischer Fall für die völkerrechtliche Zulässigkeit eines Einsatzes des KSK.
Im Regelfall unterscheidet die Bundesregierung über den Einsatz der Spezialkräfte. Vorherige parlamentarische Genehmigung ist erforderlich. Lediglich bei Gefahr im Verzuge, wie bei einer Geiselbefreiung, kann die Zustimmung des Bundestags erst nachträglich eingeholt werden. Bisher mußte sich Deutschland in ähnlichen Notlagen meist auf seine Verbündeten verlassen. Wohl keine Dauerlösung bei einer steigenden Zahl von regionalen Konflikten in aller Welt. Mit den Kommando-Spezialkräften schließt die Bundeswehr daher zu ihren NATO-Partnern auf.