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Das Kommando Spezialkräfte
Deutschlands neue militärische Sondereinheit

Seit dem 1. April 1997 hat nun auch die Bundeswehr eine militärische Sondereinheit zur Verfügung. Organisation und Aufgabenbereich des KSK (Kommando Spezialkräfte) entspricht dabei denen der anderen Sondereinheiten befreundeter Armeen. Die US-amerikanischen Special Operation Forces ("Green Berets"), der britische Special Air Service (SAS) sowie das französische Gegenstück waren nicht nur Vorbild, sondern sind zum Teil auf Trainingspartner für diese neue deutsche Einheit. So fanden z.B. bereits mehrere gemeinsame Trainingseinheiten im SAS - Sicherheitszentrum in Pontrillas, 15 Kilometer vom westenglischen Hauptstützpunkt des SAS in Hereford, statt.

Den Auftrag des KSK definiert die Bundeswehr offiziell folgendermaßen :
"Truppenteil des Heeres für die Durchführung militärischer Operationen im Rahmen der Krisenvorbeugung und -bewältigung sowie im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Aus dem erweiterten Aufgabenspektrum der Bundeswehr ergeben sich neuartige besondere Aufgaben, die mit herkömmlichen Kräften nicht oder nicht ausreichend zu erfüllen sind. Für diese Aufgaben sind Spezialkräfte erforderlich, die reaktionsschnelle du gezielte Aktionen in Ergänzung oder anstelle des Einsatzes herkömmlicher militärischer Kräfte zulassen. Die Einsätze von Spezialkräften sind häufig militärpolitischer Natur und unterliegend daher höchster politischer und militärischer Führung und Einflußnahme. Sie erfordern eine enge Zusammenarbeit mit der Luftwaffe und Marine sowie anderen Ressorts. Zu den sensitiven Aufgaben der Spezialkräfte bei Einsätzen außerhalb Deutschlands können auch Rettung und Evakuierung deutscher Staatsbürger und/oder anderer Personen aus terroristischer Bedrohung und besonderen Lagen gehören. Das Kommando Spezialkräfte umfaßt insgesamt ca. 1000 Soldaten."

Beheimatet ist diese neue Einheit in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw, Schwarzwald. Dort war bis vor kurzem noch die nunmehr aufgelöste 25. Luftlandebrigade stationiert gewesen. Da der Großteil der Soldaten von ihrer militärischen Ausbildung her Fallschirmspringer sind und Fallschirmabsprünge auf weiterhin zum ständigen Einsatztraining gehören werden, können so alle vorhandenen Einrichtungen weiter voll genutzt werden. Zusätzliche, KSK - spezifische Trainingseinrichtungen wurden und werden ergänzt. Der Führungsstab des KSK entstammt zu einem guten Teil der 25. Luftlandebrigade und den beiden ebenfalls aufgelösten Fernspähkompanien 100 und 300. Diese Offiziere und Unteroffiziere bilden die Kernzelle des KSK und werden bis zum Jahre 2000 das KSK zur vollen Stärke von 1000 Mann in vier Kommandokompanien und einer Fernspäkompanie aufbauen und die neu hinzukommenden Truppenteile ausbilden.

Am 1.April 1997 war ein erster Zug von 20 Mann einsatzbereit. Diese noch vergleichsweise kleine Einheit kann natürlich noch nicht die ganze Breite des Aufgabenspektrums von Evakuierung und Geiselbefreiung im Ausland über Kampf- und Aufklärungseinsätze hinter den feindlichen Linien bis hin zum Schutz anderer Truppenteile in besonderer Notlagen abdecken. Auch für "Operation Libelle", die deutsche Evakuierungsoperation in Albanien Ende März 1997 standen noch keine ausreichenden Kräfte zur Verfügung, so daß diese Operation noch von regulären Truppenteilen ausgeführt werden mußte. Dabei wäre dieser Einsatz der Musterfall für das KSK gewesen. Eine ähnliche Situation wie in Albanien trug übrigens ganz erheblich zur Aufstellung des KSK bei. Im April 1994 mußten belgische Fallschirmjäger elf Mitarbeiter der Deutschen Welle aus ihrer von Rebellen eingeschlossenen Station nahe der ruandischen Hauptstadt Kigali befreien, weil deutsche Spezialsoldaten nicht zur Verfügung standen.

Das KSK ist fester Bestandteil der Krisenreaktionskräfte (KRK) des Heeres und folglich auch in diesen Rahmen eingebunden. Militärische Operationen wie die Gewinnung von Schlüsselinformationen in Krisen- und Konfliktgebieten, der Schutz von eigenen Kräften und von Personal in besonderen Lagen sowie Kampfeinsätze (tief) im gegnerischen Gebiet gehören daher zum Standardprogramm des KSK. Dabei ist das KSK weder als Ersatz für die GSG-9 noch für operative Einheiten der Geheimdienste zu verstehen. Das KSK ist eine militärische Einheit und operiert daher auch unter militärischen Bedingungen und Zielsetzungen. Selbst vorstellbare Operationen wie die Zerstörung gegnerischer Kommunikationsanlagen oder ihr Anzapfen folgen nur militärischen Erwägungen. Diese strategisch bedeutsamen Einsätze befinden sich aber in einem Krisen- bzw. Konfliktgebiet verständlicherweise in einer Grauzone.

Das KSK wird folgendermaßen organisiert und strukturiert sein. Es werden vier Kommandokompanien und eine Fernspäkompanie aufgestellt. Jede der Kommandokompanien wird aus etwa 80 Mann bestehen und weiter in Führungsgruppe und vier Kommandozüge oder -trupps unterteilt sein. Dabei werden diese Kommandotrupps je nach Fähigkeiten und Aufgabenbereich frei einteilbar sein. Dies erlaubt eine optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Kräfte. Grundeinheit jedes Kommandotrupps werden vier besonders geschulte Soldaten sein, die alle etwa über die gleichen Fähigkeiten verfügen. Aufgefüllt werden die Kommandotrupps dann durch Spezialisten. Auch wenn eine größtmögliche Flexibilität im Austausch der Spezialisten bestehen soll, werden sich die einzelnen Kommandotrupps doch weiter spezialisieren. Der 1. Zug wird sich auf das Eindringen zu Lande, der 2. Zug auf das vertikale Eindringen aus der Luft, der 3. Zug auf alle Arten von amphibischen Operationen und der 4. Zug auf Operationen unter besonderen geographischen (z.B. Gebirge) oder meteorologischen (z.B. Polarregion) Verhältnissen spezialisieren. Die Fernspäkompanie wird aus 100 Mann in zwei Zügen bestehen. Der 1. Zug wird die Kommandozüge bei ihren Operationen unterstützen, der 2. Zug wird eigenständig auf konventionelle Weise operieren. Neben diesen Einsatzkompanien werden ein Kommandostab, eine Stabs- und Fernmeldekompanie sowie eine Unterstützungskompanie angegliedert. Die Unterstützungskompanie wird die Kommandokompanien bei ihren Einsätzen unter anderem mit Ärzten und sonstigen speziellen Dienstleistungen unterstützen. In Calw wird zudem ein Ausbildungs- und Versuchszentrum für alle Belange des KSK bereit stehen (Diese Einheit besteht in Teilen bereits seit April 1996 und ist in erheblichem Maße am Aufbau des KSK beteiligt).

Von den etwa 1000 Mann im KSK werden etwa 850 Berufs- oder Zeitsoldaten sein. Hinzukommen werden noch etwa 150 Grundwehrdienstleistende, die allerdings ausschließlich im Dienstleistungs- und Stabsbereich der Kaserne tätig sein werden. Angehörige des Kommandos werden überwiegend Fallschirmjäger, Gebirgsjäger, Fernspäher und Heeresflieger im Offiziersrang (7 %) oder bei Unteroffizieren aus der Dienstgradgruppe "Feldwebel" sein.

Ausgestattet wird das KSK mit allen Arten von Standard und Spezialausrüstung, wie z.B. Gleitfallschirme und Sauerstoffmasken für Fallschirmabsprünge aus besonders großer Höhe, Nachtsichtgeräte, Schußsichere Schilde und Präzisionsgewehre, die noch auf 800 m punktgenau treffen. Dazu kommen noch alle Arten von Spezialwaffen und -munition, wie Ultraschall und Ultrablitzgeräte. Die Standard - Kampfausrüstung ist bis zu 50 kg schwer.

An die Gesundheit, Psyche und die Fitneß der Soldaten sind wegen der besonderen Belastungen höchste Ansprüche zu stellen. Einzelkämpfer, Killer und Rambos sind ausdrücklich nicht erwünscht. Der Kommandosoldat soll intelligent, robust und vor allem teamfähig sein. Da der Einsatzbereich des KSK auch amphibische Einsätze umfaßt, können neben Heeressoldaten und Heeresfliegern auch Angehörige der Marine zu dieser Einheit abkommandiert werden. Das Höchstalter für Bewerbungen von Offizieren ist 27 Jahre für Feldwebel 32 Jahre. Die Mindesdienstzeit bei der KSK liegt wegen der aufwendigen und langen Zusatzausbildung bei 6 Jahren, so daß es nur für Berufssoldaten und Zeitsoldaten, die sich auf viele Jahre verpflichtet haben möglich sein wird, dort aufgenommen zu werden. Desweiteren werden Springertauglichkeit verbunden mit der Bereitschaft zum Fallschirmsprung, uneingeschränkte Verwendungsfähigkeit für den Auslandsdienst und der erfolgreiche Abschluß der Einzelkämpferlehrgänge I und II vorausgesetzt. Diese hohen Anforderungen werden durch ein hartes zweiteilige Auswahlverfahren sicher gestellt. Zunächst hat ein Bewerber an einem computerunterstützte Eignungstest, der seine psychische und mentale Eignung überprüft, teilnehmen. Hat er diesen überstanden, folgt ein zehntägiges hartes körperliche Eignungsfeststellungsverfahren, bei dem es vor allem anderen eine 90-stündige Belastungsübung zu überstehen gilt. Während dieser 90-stündigen Übung haben die Bewerber ein mit Schlafentzug und Nahrungsmangel körperlich und psychisch besonders belastendes Ausdauer- und Überlebenstraining unter Einsatzbedingungen hinter sich zu bringen. Um die körperliche und psychische Belastbarkeit der Bewerber besonders gut einschätzen zu können werden sie während dieser Zeit rund um die Uhr von erfahrenen Ausbildern beobachtet. Dabei müssen sie sich unter anderem mit voller Einsatzausrüstung und Gewehr aus Steilwänden abseilen sowie Eilmärsche durch schwierigstes Gelände, schnelle Aufsteige von mehreren hundert Metern, Krankentransporte mit Baren und Lastentransporte hinter sich bringen. Wer genommen wird, den erwartet eine dreimonatige Grundausbildung, die zugleich auch noch eine weitere Probezeit ist. Wer den Test oder die Probezeit nicht übersteht kehrte zu seinem bisherigen Truppenteil zurück. Niemand kann und wird ihm daraus einen Vorwurf machen, denn die Anforderungen liegen deutlich über denen der normalen Truppenteilen. Wer bleibt, durchläuft einen dreijährigen mehrstufigen Lehrgang, während dessen der zukünftige Kommandosoldat regelmäßig zwischen Truppenschulen des Heeres (unter anderem an der Internationalen Fernspähschule, Luftlande-/Luftransportschule, Gebirgs- und Winterkampfschule und Fernmeldeschule), den Ausbildungszentrum des KSK und den Kommandokompanien selber hin und her wechselt. Theoretische und praktische Ausbildung gehen so Hand in Hand und die Fortschritte des einzelnen Soldaten können von seinen zukünftigen Vorgesetzten so beständig verfolgt werden. Erst wenn er diese

Das KSK wird wie jede andere militärische Einheit dabei voll den parlamentarischen Einsatzgenehmigunsverfahren unterliegen. Sofern bei einer akuten Krise die Zeit für eine reguläre parlamentarische Beschlußfassung zum Einsatz des KSK nicht ausreicht oder besondere Geheimhaltungsbedürfnisse bestehen, werden die bewährten parlamentarische Eil- und/oder Sonderverfahren durchgeführt, die in der Regel so aussehen, daß nur bestimmte Ausschüsse oder sogar nur die Spitzenvertreter der parlamentarische Fraktionen den Einsatz beraten und genehmigen und ihn dann umgehend nach Abschluß der Operation dem gesamten Plenum zur Beratung und Genehmigung vorliegen.

Mit dem KSK erhält die Bundeswehr endlich eine Option für Spezialeinsätze, die sie vorher so nicht hätte ausführen können. Ein weiterer notwendiger Schritt, um der neuen Verantwortung Deutschlands auch über da Bundesgebiet hinaus Rechnung zu tragen.

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