Erster Einsatz der Bundeswehr-Elitetruppe
"Kommando Spezialkräfte" an Festnahme eines mutmaßlichen
Kriegsverbrechers in Bosnien beteiligt
Von MARTIN S. LAMBECK
Bonn - Deutsche Elitesoldaten der Bundeswehr-Spezialeinheit "Kommando
Spezialkräfte" (KSK) haben gestern im Südosten Bosniens den als Kriegsverbrecher
gesuchten bosnischen Serben Milorad Krnojelac festgenommen. Der frühere Chef eines
Straflagers wurde danach nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof geflogen. Die
deutschen Kommandosoldaten wurden von regulären deutschen und französischen
Sfor-Einheiten unterstützt. Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) bestätigte
nach dem erfolgreichen Einsatz zum ersten Mal die bislang streng geheime Anwesenheit
seiner Elitesoldaten in Bosnien. Er sagte der WELT: "Ich gratuliere den deutschen und
französischen Soldaten zu dieser überzeugenden Leistung."
Zugleich forderte der Minister die übrigen vom Strafgerichtshof in Den Haag gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher auf, sich freiwillig zu stellen. Rühe: "Ich habe schon im Bundestag gesagt, die Kriegsverbrecher würden freiwillig oder unfreiwillig nach Den Haag kommen." Im Verteidigungsministerium hieß es, die Aktion der bereits seit Monaten in Bosnien stationierten KSK-Soldaten sei "sehr gut abgelaufen". Es habe keine Verletzten gegeben. Da das KSK strengster Geheimhaltung unterliegt, gab es keine weiteren Berichte über den genauen Ablauf des Einsatzes.
Nato-Generalsekretär Javier Solana dankte den beteiligten Soldaten für ihren "Mut, ihre Professionalität und ihre Entschlossenheit, mit der sie den Einsatz ausgeführt haben". In einer Erklärung der Hardthöhe heißt es, Krnojelac werde vorgeworfen, auch Behinderte und Kranke gefoltert und ermordet zu haben.
Das KSK wurde 1996 in Dienst gestellt. Im Jahr 2001 soll die gesamte Elitetruppe mit rund 1000 Mann bereitstehen. Derzeit wird das KSK noch aufgebaut. Der Einsatz in Bosnien war die Feuertaufe für die Spezialkräfte.